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  Neckarremser Persönlichkeiten

Johannes Dannenhauer

Wie Johannes Dannenhauer um den Preis für Chemie kam

Der König und der Neckarremser Schmied

Die älteren Neckarremser haben ihn noch in Erinnerung, den Schmied Wilhelm Dannenhauer aus der Remstalstraße. 1954 ist er gestorben, im Alter von fast 90 Jahren. Heute soll jedoch von seinem Großvater die Rede sein, von Johannes Dannenhauer. Dieser ist 1789 geboren, und das Schmiedehandwerk hat er von seinem Vater gelernt. Vermutlich ist er dann auf Wanderschaft gegangen, wie es damals bei den Handwerksburschen der Brauch war.

Freilich, ganz ungefährlich war das nicht in jenen kriegerischen Jahren, als halb Europa gemeinsam gegen Napoleon kämpfte. Doch Johannes Dannenhauer kehrte unversehrt nach Hause zurück, und aus Oßweil holte er sich eine Bauerstochter zur Frau. Der Vater war damals bereits weit über 60 Jahre alt; deshalb übergab er dem Sohn gleich bei der Heirat 1816 Haus samt Werkstatt. Johannes Dannenhauer muß wohl ein findiger Kopf gewesen sein, und gewiß war er auch mit offenen Augen auf der Walz gewesen. So dürfte er mancherlei gelernt haben, was er jetzt daheim in Neckarrems selbst anwenden und ausprobieren konnte.

Das Cannstatter Fest und ein Wettbewerb

Nun waren ja gerade 1816/17 schlimme Hungerjahre. Wilhelm I. folgte seinem Vater, dem dicken Friedrich, auf dem Thron. Der junge König - man hat ihn später den "König der Landwirte" genannt - machte sich sogleich mit Feuereifer daran, Landwirtschaft und Gewerbe in seinem Land zu fördern. Im Regierungsblatt vom 31. März 1818 ließ er deshalb bekanntmachen, daß jedes Jahr am 28. September zu Cannstatt ein landwirtschaftliches Fest veranstaltet werde.

Unmittelbar danach, gleich auf der nächsten Seite, ließ der König dann auch einen dreifachen Wettbewerb ausschreiben. Mit einer silbernen Medaille und einem Preisgeld von 20 bis 40 Dukaten sollten künftig alljährlich drei Württemberger ausgezeichnet werden, und zwar für die beste Erfindung auf dem Gebiet der Mechanik, der Chemie und der Landwirtschaft. Die Preisverleihung sollte einen Tag vor dem Cannstatter Fest stattfinden, nämlich am 27. September, dem Geburtstag des Königs.

Zuständig für die Durchführung des Wettbewerbs war der Landwirtschaftliche Verein. Und der wurde von nun an Jahr für Jahr überschwemmt von den abenteuerlichsten und hanebüchensten Erfindungen aus dem ganzen Land. Das Preisgeld lockte ernsthafte Wissenschaftler und biedere Handwerker, aber noch mehr Phantasten und Spintisierer. Doch die Herren in Stuttgart prüften sehr genau und verstanden sich bald trefflich darauf, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Blick von der alten Remsbrücke, um 1930. In dem zweiten Gebäude rechts der Straße hatte Johannes Dannenhauer seine Schmiede und dahinter den Kohlenschuppen.

Um so erstaunlicher ist es, daß es unserem Johannes Dannenhauer 1828 gelang, bis in die Endausscheidung zu kommen. Voller Selbstvertrauen bewarb er sich um den Preis für Chemie. Denn ihm sei gelungen, was bisher noch keiner fertiggebracht habe: echten englischen Huntsman-Stahl mit Schmiedeeisen zu verschweißen.

Neue Stahlsorten aus England

Während die Briten gerade die ersten Eisenbahnen bauten, wurde Stahl damals zum wichtigsten Werkstoff, der auf vielen Gebieten das Holz verdrängte. Allerdings war die Bessemer Birne oder der Siemens-Martin-Ofen zur Stahlerzeugung noch nicht erfunden. Aber 1740 hatte der englische Uhrmacher Benjamin Huntsman (1704 - 1776) den Tiegelguß entdeckt. Damit produzierte er Stahl in einer Reinheit und Güte, wie man sie bisher nicht erreicht hatte. Und man konnte außerdem statt der teuren Holzkohle nun die billige Steinkohle verwenden. Bei den bisherigen Verfahren hatte nämlich der hohe Schwefelgehalt der Steinkohle das Eisen unbrauchbar gemacht.

Huntsman gründete in Sheffield eine Stahlfabrik, produzierte Uhrfedern und belieferte Messerschmiede. Sein Verfahren hielt er so streng geheim, daß er es nicht einmal patentieren ließ. Doch vergebens, schon bald kopierte man seine Erfindung auf dem Kontinent, und Krupp in Essen entwickelte es seit 1830 dann weiter.

Doch zurück zu Johannes Dannenhauer in Neckarrems. Der wollte also 1828 wie gesagt diesen Huntsman-Stahl mit Eisen verschweißen. Einen Schweißbrenner freilich kannte man noch nicht; unter Schweißen verstand man das Feuerschweißen: die Werkstücke wurden zur Weißglut erhitzt und dann mit Hammerschlägen ineinander gearbeitet. Gewöhnlich verwendete man dabei auch Flußmittel, um Oxydationshäute zu vermeiden.

Der Triumph des Dorfschmieds

Wenn nun aber dem Dannenhauer sein Vorhaben wirklich gelänge, dann könnte man zum Beispiel eine Schneide aus hochwertigem Tiegelgußstahl auf ein gewöhnliches Stück Schmiedeeisen aufbringen und so preiswerte Werkzeuge herstellen. Dannenberger hatte zwar eine Probe nach Stuttgart eingeschickt. Doch dort mißtraute man der Sache immer noch. Man ließ Dannenhauer kommen, damit er seine Kunst beweise. Mehrere Meister der Stuttgarter Schmiedezunft waren anwesend, um dem Dannenhauer auf die Finger zu sehen. Der legte die beiden Stücke ins Feuer, beobachtete sorgfältig die glühenden Schweißstellen, legte die Eisen dann auf den Amboß und trieb sie mit raschen Hammerschlägen zusammen, ohne dabei ein Flußmittel zu verwenden.

Als das Probestück nun abgekühlt war, nahmen die Sachverständigen es in die Hand, prüften die Verbindung und fanden, daß beide Teile einwandfrei miteinander verschweißt seien. Anschließend versuchten sie dasselbe Experiment auf ihre Weise, gaben auch verschiedenerlei Schweißmittel hinzu. Doch vergeblich: was dem Dorfschmied aus Neckarrems geglückt war, gelang den Meistern aus der Residenzstadt trotz allen Bemühens entweder gar nicht oder nur sehr unvollkommen. Johannes Dannenhauer aber setzte noch eins drauf und führte seinen staunenden Zunftkollegen vor, wie er es verstand, auf einfache Weise auch Kupfer mit Eisen zu verschweißen.

Kein Chemiepreis, aber eine Silbermedaille

Nun sollte man eigentlich meinen, daß Johannes Dannenhauer damit den Preis für Chemie bereits in der Tasche hatte; denn diesem Fachgebiet wurde die Metallurgie oder Metallverarbeitung zugezählt. Doch unversehens zauberte der Landwirtschaftliche Verein einen anderen Kandidaten aus dem Hut: den Professor der Chemie Christian Gmelin zu Tübingen. Zwar stand in der Ausschreibung des Königs wörtlich zu lesen: "Die Preis-Concurrenten werden ersucht, vor Ende Augusts eines jeden Jahrs sich bei der Central-Stelle des Landwirthschaftlichen Vereins schriftlich zu melden"; und Gmelin hatte sich bis dato mit keinem Wort selbst beworben. Aber man nahm es offenbar nicht so ganz genau damit. Schließlich hatte auch der 36-jährige Herr Professor aus Tübingen eine sehr wichtige Entdeckung gemacht. Er hatte den Halbedelstein Lapislazuli untersucht, aus dem man durch Pulverisieren das Ultramarin gewann. Gmelin war es nun gelungen, diese leuchtend

blaue Farbe künstlich herzustellen, indem er Ton, Quarz, Soda und Schwefel zusammenschmolz und etwas Holzkohle hinzugab. Heute noch wird das Ultramarin auf diese Weise industriell produziert und für Malerfarben, Druckfarben und viele andere Zwecke verwendet. Von nun an konnte man auf den teure~. meist aus Afghanistan eingeführten Lapislazuli verzichten.

Eigentlich ging es aber nicht bloß um diese Erfindung an sich, sondern man wollte sich auch die Rechte daran sichern. Gmelin war nämlich 1827 in Paris gewesen und hatte dort leichtsinnigerweise dem Kollegen Gay-Lussac von seinem Verfahren erzählt. Louis Joseph Gay-Lussac gehört ja mit seinem Gesetz von der Ausdehnung der Gase heute noch zum festen Bestandteile des Physikunterrichts. Im Falle des Ultramarins scheint er aber nicht dicht gehalten zu haben. Jedenfalls behaupteten nun plötzlich im Frühjahr 1828 zwei Franzosen, künstliches Ultramarin hergestellt zu haben. Damit Gmelin sich dieser beiden Konkurrenten besser erwehren könne, schanzte man ihm also eilends den Preis für Chemie zu.

Johannes Daunenhauer ist wenigstens nicht ganz leer ausgegangen. Das Preisgeld von 30 Dukaten bekam zwar der Herr Professor - ein schönes Stück Geld übrigens, da der Dukaten 5 Gulden wert war. Dannenhauer erhielt die silberne Medaille, wurde vom König öffentlich belobigt, und das alles wurde dann in den Zeitungen des Landes bekanntgemacht.

Keine drei Jahre nach seinem Triumph vom 27. September 1828 ist Johannes Dannenhauer an der Lungenschwindsucht gestorben. Noch nicht einmal 42 Jahre alt ist er geworden. Am Osterfest des Jahres 1831 trug man ihn zu Grabe. Als sein Vermögen aufgeteilt wurde, fand sich im Nachlaß auch "1 silbernes Preis-Medaillon", Wert: 4 Gulden.

Quelle: E. Theiner, Gemeindearchiv Remseck

Amtsblatt der Gemeinde Remseck vom 8. August 1996

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
 

Der Sohn des Neckarremser Steinhauers Jakob Friedrich Rösch, erlernte bei seinem Vater den Beruf des Steinhauers. Der talentierte Wilhelm Rösch, der mit seinem Vater nach Stuttgart gezogen war, lernte dort den Bildhauer Güldenstein kennen, von dem er tatkräftig gefördert wurde. Schon während seiner Tätigkeit als Steinhauer entstand die Plastik „Christus als guter Hirte“, durch die die „Königliche Zentralstelle für Handel und Gewerbe“ auf ihn aufmerksam wurde und ihm den Besuch der Stuttgarter Kunstschule ermöglichte. Später folgte ein Studium in Dresden, wo er den bekannten Professor Adolf Donndorf kennenlernte. Dieser wurde an die Stuttgarter Kunstschule berufen und mit ihm kehrte Wilhelm Rösch nach Stuttgart zurück, wo er seine Studien vollenden konnte.

Wilhelm Rösch schuf 1880 ein Denkmal für Eduard Mörike, sowie für Hauff, Kepler und Haidlen.

 

 

  

 

Den krönenden Abschluß bildete sein Werk „Knabe in Gefahr“,  vom Volksmund auch „Muckenbüble“ genannt. Hierfür wurde er auf der „Internationalen Kunstausstellung München“ 1893 mit einer Goldmedaille geehrt.

Das Werk in Marmor wurde während des 2. Weltkriegs in Stuttgart zerstört, lediglich zwei Erzabgüsse des „Muckenbüble“ sind erhalten geblieben.

Ein Gipsabguß steht heute im Rathaus in Remseck. Ein Bronzeabguß steht seit 1993 auf einem Weg zwischen den beiden Holzstegen über die Rems und den Neckar.

Ein weiterer Gipsabdruck steht im Garten des Hotels „Aurelia“ im Seebad Heringsdorf auf Usedom. Das „Muckenbüble“ findet sich auch im Firmenlogo des Hotels.

Wilhelm Rösch (1850-1893)

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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